Nach der Kritik am schleppenden Ausbau der Primärversorgung in Vorarlberg kommt nun Bewegung in die Sache. Dass Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher für die Versäumnisse vor allem die ÖGK in der Verantwortung sieht, stößt bei AK-Vizepräsidentin Manuela Auer von der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter:innen (FSG Vorarlberg) auf Unverständnis. „Rüscher versucht, den schwarzen Peter der ÖGK zuzuschieben“, kritisiert Auer. Es sei aber erfreulich, dass das Land nun auf ihre Forderung eingehe: Jahrelang ist beim Ausbau der Primärversorgung in Vorarlberg wenig weitergegangen, jetzt sollen bis 2030 zumindest zehn neue PVE entstehen.
„Wenn zusätzliche Primärversorgungseinheiten entstehen sollen, muss das Land entsprechende Ziele und regionale Versorgungsstrukturen im Regionalen Strukturplan festlegen und deren Umsetzung politisch einfordern“, stellt AK-Vizepräsidentin Manuela Auer unmissverständlich klar. Genau diese verbindliche Zielvorgabe hat in Vorarlberg bislang gefehlt. Vorarlberg war das einzige Bundesland ohne konkretes Ausbauziel für PVE im regionalen Strukturplan. Auer hat deshalb kein Verständnis dafür, „dass Rüscher die Verantwortung für ihre Versäumnisse der ÖGK zuschiebt. Es ist schon bemerkenswert: Jahrelang gibt es in Vorarlberg keinen konkreten Ausbauplan für Primärversorgungseinheiten. Nachdem wir diesen Missstand öffentlich kritisiert haben, soll plötzlich die ÖGK schuld sein.“
„Endlich kommt Bewegung in die Sache“
Trotz ihrer Kritik begrüßt Auer ausdrücklich, dass nun zumindest zehn zusätzliche PVE bis 2030 gefördert werden sollen. „Ich begrüße, dass sich die Landesregierung jetzt endlich bewegt. Das ist ein wichtiger Schritt für die wohnortnahe Gesundheitsversorgung und eine dringend notwendige Entlastung der Spitäler. Jetzt muss aber auch sichergestellt werden, dass diese Ankündigung nicht nur auf dem Papier steht“, fordert Auer. Denn der Bedarf sei enorm. Vorarlberg verfügt derzeit lediglich über drei Primärversorgungseinheiten. Gleichzeitig weist das Land die niedrigste Dichte an Allgemeinmediziner:innen in Österreich auf. „Wenn zehn neue PVE angekündigt werden, muss auch geklärt sein, woher das notwendige Personal kommt“, so Auer.
Nächster Schritt: Fachärzt:innenzentren in den Strukturplan
Auer erwartet, dass das Land auch bei der fachärztlichen Versorgung endlich konkrete Vorgaben macht. „Wenn die Landesregierung jetzt verstanden hat, dass es konkrete Ziele im regionalen Strukturplan braucht, dann erwarte ich mir als nächsten Schritt auch eine klare Vorgabe für Fachärzt:innenzentren. Wir brauchen mindestens zwei solche Zentren in Vorarlberg“, fordert Auer.
„Rüscher sollte jetzt nicht weiter Zuständigkeiten hin- und herschieben, sondern ihre politische Verantwortung wahrnehmen. Die Menschen in Vorarlberg brauchen konkrete zusätzliche Versorgungsangebote. Wenn das Land jetzt zehn PVE will, dann soll es diese auch verbindlich im Strukturplan verankern und gemeinsam mit ÖGK und Ärztekammer dafür sorgen, dass sie tatsächlich entstehen“, so Auer abschließend.